Dekanat 2/20 Leopoldstadt-Brigittenau

Katholische Kirche - Erzdiözese Wien - Vikariat Wien Stadt

Katholische Kirche - Erzdiözese Wien - Vikariat Wien Stadt

Stadtdekanat 2 - Jüdische Wurzeln in der Leopoldstadt
Das Profil eines vom jüdischem Leben geprägten Bezirkes hat sich in der Leopoldstadt trotz nationalsozialistischer Vernichtungsversuche aufrechterhalten können. Dechant Ferenc Simon will die jüdischen Wurzeln in der Kirche sichtbar machen und sucht darüber hinaus den Kontakt mit den anderen Religionen und anderen Kirchen.
Judentum, Christentum und Islam treffen wohl in keinem anderen Wiener Bezirk so aufeinander wie in der Leopoldstadt. Kosher-Märkte, Bazars und ganz normale Einkaufsläden zeugen nicht nur von einer religiösen, sondern auch von einer damit zusammenhängenden kulturellen Vielfalt.

Die Gegenwart der jüdischen Wurzeln
"Unsere jüdischen Wurzeln sind hier ständig gegenwärtig", so der Dechant des Stadtdekanats 2 Ferenc Simon. "Viele junge jüdische Familien, die meistens aus Russland kommen, haben sich im 2. Bezirk angesiedelt, darüber hinaus befindet sich hier auch das jüdische Kulturinstitut", berichtet Dechant Simon. Allerdings brauche die Kontaktaufnahme auch eine gewisse Zeit und eine gute Vorbereitung, da viele jüdische Einwanderer nur russisch sprechen.

Runder Tisch mit den Religionsgemeinschaften
Dechant Simon müht sich um den Dialog.

Aber nicht nur mit den Menschen jüdischen Glaubens, sondern auch mit den zahlreichen muslimischen Einwanderern suche man den Kontakt, betont Dechant Simon. Vor allem mit dem islamischen "Institut für Dialog: Friede" ist ein regelmäßiger Austausch vorhanden. Um diese Kontaktaufnahme auszubauen und weiter zu erleichtern, plane er deshalb auch einen runden Tisch zu gründen, wo Vertreter der verschiedenen Religionsgemeinschaften sich regelmäßig treffen können.

Aktion "Verwandtenbesuche"
Die Zusammenarbeit mit den anderen christlichen Kirchen spiele in einem multikulturellen und multireligiösen Bezirk natürlich auch eine bedeutenden Rolle. Aus diesem Grund habe man die Aktion "Verwandtenbesuche" gestartet. "Angehörige der verschiedenen christlichen Kirchen haben sich gegenseiteig besucht, es wurde Kirchenführungen angeboten und der gegenseitige Erfahrungsaustausch gefördert", berichtet Dechant Simon. Dieses Modell der "Verwandtenbesuche" möchte der Dechant auch auf andere religiöse Gemeinschaften ausweiten. Als äußerst positiv bewertet Dechant Simon den Kontakt zu den evangelischen Gemeinden: "Die Dekanatskonferenzen werden zum Teil auch bei den evangelischen Pfarren abgehalten, somit wird jeder in das Geschehen der anderen miteinbezogen." Information wird im Stadtdekanat 2 groß geschrieben. So gibt es auch eine eigene Dekanatshomepage.

"Motivieren, sich zu profilieren"

Die Pfarrkirche Am Tabor steht zwischen zwei fünfgeschossige Wohntrakten.

Der jüngste Dechant in der Erzdiözese Wien möchte in Zukunft mehr Vernetzungen schaffen und die zahlreichen Einzelinitiativen der Pfarren auf eine dekanatsweite Plattform stellen. Das Ziel müsse sein, die einzelnen Pfarren zu motivieren, sich zu profilieren. "Eine Pfarre muss ja nicht alles anbieten, aber das was sie macht, soll sie gut machen", legt Dechant Simon wert auf die Qualität der Pfarrarbeit. So habe beispielsweise die Pfarre Machstraße ihre spezielles Profil als basisgemeindlich organisierte Pfarre bewahrt, während in der Pfarre Donaustadt viel für die Armen und Obdachlosen getan werde. Einen Trend gegen den allgemeinen Rückgang von Kirchenmitgliedern sieht Dechant Simon ebenfalls in der Pfarre Donaustadt. Dort wächst unter der Betreuung des Trinitarier-Pater Clemens Kritz eine eigene Gemeinde heran. "Es ist doch sehr schön zu sehen, dass Leben möglich ist und weiter wächst", so Dechant Simon.

"Jugendkirche ist möglich"
Dechant Simon freut sich über die hervorragende Jugendarbeit, die in seinem Dekanat geboten wird. "Vor allem im Pfarrverband St. Josef-St. Leopold zeigt sich, dass eine Jugendkirche möglich ist, denn die monatlichen Jugendmessen sind immer sehr gut besucht", so Dechant Simon. Viele Jugendliche zeigen auch Eigeninitiative. So wurde in der Pfarre Am Schüttel ein Entwicklungshilfeclub ins Leben gerufen, der zwar sehr eigenständig agiere, sich dennoch in der Gemeinde beheimatet wüsste. Durch ein Dekanatsfußballturnier erhofft sich Moderator Simon darüber hinaus nun auch einen Anstoß für eine Jugendarbeit, die die Pfarrgrenzen überschreitet.

Die "Lange Nacht der Kirchen" im Dekanat 2

"Für die Seelsorge sind heute auch pfarrübergreifende Aktionen wesentlich."

Bei der Stadtmission 2003 habe man mit dem "Jungle-Run", der über mehrere Stationen in die einzelnen Pfarren führte, ebenfalls die Möglichkeit wahrgenommen ein attraktives Angebot für Jugendliche zu schaffen. Stolz ist Dechant Simon, dass die "Lange Nacht der Kirchen" in seinem Dekanat schon anlässlich der Stadtmission 2003 stattfand. Er freut sich, dass dieses Angebot Schule gemacht hat und nun eine Initiative des gesamten Vikariates ist.

Pfarrübergreifende Projekte
Das Zukunftsprojekt der Diözese "Weltkirche am Ort" will Dechant Ferenc Simon in seinem Dekanat noch stärker verwirklicht sehen, hierzu dienen natürlich auch pfarrübergreifende Projekte. Eines dieser Projekte könne ein Selbstverteidigungskurs für Frauen und Kinder sein. "Das Selbstverteidigungssystem nennt sich Krav Maga. Ich selbst betreibe diesen Sport", erzählt Dechant Ferenc Simon. Natürlich diene solch ein Sport vor allem dazu, sich zu wehren. Aber neben der praktischen Relevanz gehe es auch darum, etwas für den Körper zu tun und bei jeglicher Seelsorge die Leiblichkeit nicht aus den Augen zu verlieren.